Eine Affäre

Oft kommen Paare zu mir, bei denen eine Seite eine „Außenbeziehung“ hat – wie ich es nenne.

Das „Coming-Out“ führt zur offensichtlichen Krise und der Umgang damit, wird zum Lackmustest der Beziehung. Manchmal gelingt ein guter Umgang dazu, manchmal ganz und gar nicht.

Diesen Text fand ich in eine Buch von Ariel Levy und ich denke, es ist ein großer Teil der Wirklichkeit darin. Es bleibt aber eben auch der so schwer zu akzeptierende weitere Teil… dass Beziehungen von alleine schlechter werden und die Anfangsjahre der Verliebtheit sich von einer dauerhaften Beziehung deutlich unterscheiden und immer wieder  mal neue Bemühungen von beiden Seiten erfordern.

Man hat eine Affäre, weil man von demjenigen, den man liebt, nicht bekommt, was man will. Man will mehr: mehr Liebe, mehr Sex, mehr Aufmerksamkeit, mehr Spaß. Man will begehrt werden, nachdem man jahrelang für die Schmutzwäsche zuständig war, und sich in etwas Strahlendes verwandeln. Man will es, man braucht es, man ist es sich selbst schuldig. Alles andere würde bedeuten, dass man dumpf und grau und bedeutungslos auf den Tod zusteuert. Du willst, was sie dir zu Beginn gegeben hat von dem du hofftest, dass es mehr und intensiver werden würde statt weniger, bis du so traurig und verbittert bist, dass du dich selbst kaum mehr erträgst). Du hast eine Affäre, weil du das suchst, was du dir eigentlich von der Person wünscht, die du so sehr liebst. Damit aber brichst du ihr das Herz, und sie kann es dir nie mehr geben.

Ariel Levy, „Gegen alle Regeln“

 

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