Beziehung beenden mit "Conscious Uncoupling"

Die Beziehung beenden mit „Conscious Uncoupling“: Eine friedfertige Möglichkeit, auseinander zu gehen

„Conscious Uncoupling“ bezeichnet eine Trennung bzw. Scheidung, die sich durch ein Höchstmaß an Gutmütigkeit, Großzügigkeit und gegenseitigen Respekt auszeichnet. Dabei bemühen sich die (Ex-)Partner, wenn sie ihre Beziehung beenden, nach Kräften, den Schaden für sich selbst, den jeweils anderen und ggf. die Kinder so gering wie möglich zu halten und bewusst nach neuen Übereinkünften und Strukturen zu suchen, die allen Beteiligten eine gute Zukunft eröffnen.

Wenn Trennung die bessere Variante der Zukunft ist, Einsicht auf beiden Seiten herrscht, sich selbst und den Kindern so wenig Schaden wie möglich zuzufügen, dann gibt es eine Systematik von fünf Schritten, um durch diese Veränderungen optimal hindurch zu finden. „Nur weil die Ehe endet muss nicht auch die Familie enden!“

Die Beziehung beenden – von Wohlwollen und Respekt geprägt- trotz aller Verletzungen und Scham, aller Wut und zerstörerische Impulse – das ist das Ziel.

Viele kennen nur Trennungsdramen, Schuldige, Scheitern von Beziehungen, Streit der Anwälte um das Geld, Scham und Wut der Betrogenen und schlechte Gefühle und Gewissen bei allen Beteiligten.

Und trotzdem, dass Beziehungen mühsamer werden und Veränderungen bei den Lebenspartners und den Umständen des Zusammenlebens zu schlechteren „Passungen“ führen, ist ebenso selbstverständlich. „Die Mehrheit in dieser modernen Gesellschaft wird nicht mit einem einzigen Menschen zusammenbleiben und ihm in guten wie in schlechten Zeiten die Treue halten!“

Die Qualität einer Beziehung wird nicht mehr an ihrer Dauer bemessen. Die Scheidungsrate langjähriger Ehen hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt.

Was passiert: Der kühle Kopf rät zum Abbruch der Beziehung, der Bauch, oder besser unsere alten Instinkte, halten lieber an auch schlechten Beziehungen fest, da negative Bindungen immer noch besser sind, als gar keine und in der prähistorischen Lernwelt unseres Gehirnes den sicheren Tod bedeutet hätten.

Und so scheint es paradox, dass sich immer mehr „Trennungspaare“ für gegenseitigen Respekt, Wohlwollen und Großzügigkeit entscheiden. Warum? Um sich selbst, dem anderen und den Kindern so wenig Schaden wie möglich zuzufügen und um letztlich nach Absprachen und Strukturen zu suchen, die eine konstruktive Zukunft möglich macht.

Ihre Arbeit mit mir

Ich nehme mir den 5-Stufen-Prozess meiner amerikanischen Kollegin als „Guideline“ und arbeite zusammen mit Ihnen als Paar daran (einzeln geht das auch!), Ihre Trennung in einer Art und Weise zu gestalten, dass so wenige Verletzungen wie möglich bei allen beteiligten entstehen.

Warum gerade diese Methode? Sie ist gut beschrieben, erprobt, berühmt (über prominente Paare, die darüber offen sprechen – Coldplay-Sänger Chris Martin und Schauspielerin Gwyneth Paltrow – ) und – ist sie erst einmal ein wenig „entamerikanisiert“ – gut umsetzbar. Zudem gibt es ein Buch, welches ich den Paaren an die Hand geben kann.

Das Buch „Conscious Uncoupling“ von Katherine Woodward Thomas

Im Folgenden habe eine Reihe von Zitaten aus diesem Werk unsortiert hier aufgelistet. Sie wissen schon, die Stellen, die man unterstreicht, wenn man ein Buch wirklich verstehen will und nicht nur überflogen in den Schrank neben die anderen stellen möchte:

In unserer Gesellschaft gibt es ein kollektives Drehbuch mit der impliziten Annahme: Endet eine Liebesbeziehung aus einem anderen Grund als dem Tod eines Partners, ist sie gescheitert. Mit diesem Mythos – Glücklich bis ans Lebensende – auch oft verbunden: die Erwartung einer sozialen Aufwärtsmobilität.

Die Realität sieht anders aus. Ein Blick in die amerikanische Realität, den dort gibt es aktuelle Studien dazu: nur 38% bezeichnen ihre Ehe als glücklich; die drei häufigsten Trennungsgründe:

  • Verrat – Ein Partner überzieht das Familienkonto, leistet sich einen Seitensprung oder nimmt Drogen. Das bedroht die grundlegende Sicherheit in Beziehungen und stellt einen massiven Verstoß gegen Vereinbarungen dar. Nichts macht so wütend, wie Betrug – außer Zurückweisung vielleicht.
  • Emotionales Kriegsgebiet. Daraus resultiert ein destruktiver Kommunikationsstil, von totalem Desinteresse aus Resignation über die Nichtberücksichtigung von Bedürfnissen des anderen bis hin zu kleingeistiger Kampfbereitschaft. Ein Bodensatz aus Groll und Verletztheit entsteht und irgendwann ergreift einer die Flucht.
  • Partner entwickeln sich auseinander, „endlieben“ sich. Bedürfnisse treffen sich nicht mehr, das Interesse am anderen versiegt, Wertvorstellungen verändern sich reziprok.

By the way: In USA ist die Scheidung die dritthäufigste Ursache aller Privatinsolvenzen.

„Grund, eine goldene Hochzeit zu feiern, gibt es eigentlich erst, wenn man weiß, was die Beziehung mit den Seelen der Eheleute angestellt hat.“ Da kratzt eine Therapeut an dem Ideal der lebenslänglichen Gemeinschaft!

Wir Menschen in Trennungssituationen: Immer dann, wenn wir der Unterstützung und Verbundenheit am meisten bedürfen, bringen wir es fertig, unter der Bettdecke Zuflucht zu suchen und uns weg zu ducken, verzehrt vom Gefühl sozialer Unzulänglichkeit.

Das Modell der romantischen Liebe können wir in den Ruhestand schicken.

Mehr Menschen über 50 sind geschieden als verwitwet. Auf Online-Datingseiten sind die „Silver Seeker“ über sechzig die am schnellsten wachsende Usergruppe.

Liebesentzug ist wie Drogenentzug (für unser Gehirn) und wird häufig von denselben rücksichtslosen, destruktiven Impulsen begleitet, die Drogensüchtige auf der Jagd nach dem nächsten Schuss hinter Gitter bringt. In der Welt des Gehirns ist eine negative Bindung immer noch besser als gar keine, denn das würde den existenziellen Tod bedeuten. Zurückweisung durch einen geliebten Menschen ruft im Hirn dieselbe Alarmbereitschaft hervor, wie eine Bedrohung auf Leben und Tod. In der Frühzeit war die Zugehörigkeit zu einem Stamm überlebenswichtig und die Verstoßung aus dem Stamm bedeutete fast immer den sicheren Tod.

Ein gebrochenes Herz heilt nicht von selbst!

Die Erfahrung, zum Opfer geworden zu sein, übernimmt das Ruder und verlangt nach Rache. Ein japanisches Sprichwort lautet: „Erst während der Scheidung lernst du deine Frau richtig kennen.“

Die Lektionen, die uns die Liebe erteilt, können bitter sein und der Preis der Weisheit ist oft hoch.

Das Ziel eines gemeinsamen friedfertigen Auseinandergehens liegt vielmehr darin, sich zu befreien. Als Reaktion auf die von zwei miteinander verhakten limbischen Systemen erschaffene toxische Abwärtsspirale suchen wir ganz bewusst nach Möglichleiten, den Schneeballeffekt zornerfüllten Redens und Handelns zu unterbinden. Der Prozess kann helfen, vernünftige Entscheidungen selbst in Zeiten zu treffen, in denen es kaum möglich scheint, einen klaren Kopf zu bewahren.

Eine nächste Beziehung beginnt nicht automatisch mit dem Kennenlernen eines Neuen, sondern hängt ganz davon ab, wie man aus der letzten Beziehung herausgekommen ist. Denn Verdrängtes, unbereinigte Altlasten und eine „gebrochenes Herz“ verschwinden nicht einfach so!

Die meisten durchlaufen dieses Programm alleine, ohne Partner. Die Trennung kommt ja nicht von ungefähr, deshalb haben beide vermutlich auch unterschiedliche Vorstellungen davon, wie es jetzt weitergehen soll. Es geht im Wesentlichen nicht darum, dass nach dem Ende einer Beziehung eine Freundschaft entsteht. Viele wichtiger ist ein klarer Schlussstrich, der ein Weiterleben ohne falsche Hoffnungen, ambivalente Bindungsgefühle und/oder verschwiemelte Träume ermöglicht.

Die schwere des Traumas einschätzen: Das Ende einer Verbindung kann als erheblicher Schock wahrgenommen werden, vergleichbar mit einem schweren Autounfall oder dem Tod eines nahen Angehörigen.

„Fraktur der Deutungsmuster“ – wir werden mit einem aktuellen Thema nicht fertig.

Affektbenennung: Stufe I: jedes einzelne unserer Gefühle bekommt ein Etikett, etwas auf den Punkt bringen.. Gefühle und Bedürfnisse werden benannt, statt panisch versuchen, sie los zu werden.

Zorn als lebensbejahender Impuls – wie der Klaps auf den Po des Neugeborenen. Diesen Impuls muss man sich zu eigen machen.

Neurophysiologische Stabilität: Synchronisierung mit den Menschen, die uns am nächsten stehen. Unsere neuronalen Rhythmen verstärken sich gegenseitig – limbische Regulation. Gemeint ist damit die kontinuierliche gegenseitige Feinabstimmung biologischer Funktionen wie etwa Puls, Blutdruck, Körpertemperatur, Immunsystem, Zucker- und Hormonspiegel. Gemeinsamkeit als Schlüssel: Bett, Arbeit, Entspannung, Sport, …

Getrennt werden, bedeutet „Stuck-State“!

Leiden von der höheren Warte aus betrachten – lernen, sich von dieser erwachsenen Mitte aus anzusprechen und ermutigende Worte der Weisheit zu finden. Verantwortung für den Beitrag zu übernehmen, den sie zur Entwicklung der Dinge geleistet haben. Akzeptanz, dass sie selbst eine Quelle des Leidens sind. Schauen sie ganz genau hin, damit sie ihren Anteil an der Entwicklung erkennen und künftig frei sind, sich anders zu verhalten.

Ihre Stärke liegt in der verantwortungsvollen Selbstreflexion. Denn auf jeden egozentrischen, narzisstischen Mann kommt eine Frau, die sich chronisch klein und unsichtbar macht, um seine Gunst nicht zu verspielen.

Viktor Frankl: Letzten Endes wird menschliches Verhalten nicht von den Bedingungen diktiert, die jemand antrifft, sondern von Entscheidungen, die er trifft.

Anonyme Alkoholiker sagen: Gleichzeitig seinen Arsch retten und das Gesicht wahren, geht nicht!

Trennung: Verlust der wichtigen Beziehungen und die daraus resultierende Kränkung und die Verletzung des Selbstwertgefühles. Eine gefürchtete Statusveränderung: von jemandem, der gewollt und begehrt wurde, zu jemand Unerwünschtem, vom geliebten Menschen zu einem nicht mehr geliebten; von etwas ganz Besonderem zu jemand X-Beliebigem.

Siegmund Freud: Wiederholungszwang bedeutet, die eigenen schlimmsten Verletzungen der Kindheit im Leben nachzustellen.

Die Geschichte ihrer Ursprungswunde: Die Befreiung von den schmerzlichen Verhaltensmustern in der Liebe beginnt damit, dass sie die Geschichte ihrer Ursprungswunde in aller Deutlichkeit erkennen. Dass sie sich der zugrunde liegenden Überzeugungen bewusst werden, die zur Reproduktion ihrer traurigen Liebesgeschichte geführt haben, damit sie frei werden, ihren Beziehungen künftig eine glücklichere, gesündere Richtung zu gebe.

Umgang mit sich selbst: Beziehungen zu anderen Menschen können nie besser sein, als die, die wir zu uns selbst haben!

Am Anfang der meisten Transformationen steht nichts, was hinzugefügt würde, sondern der freiwillige Verzicht auf etwas. Sobald wir den Vorsatz eines radikalen Sinneswandel fassen, merken wir, dass wir alles/vieles aus unserem Leben verabschieden müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

Vereinbarungen: Beziehungen markieren per definitionem den Eintritt in ein komplexes Geflecht aus Abkommen und Versprechen, das darüber Auskunft gibt, wie viel wir emotional in den anderen investieren bereit sind und welche Erwartungen wir damit verknüpfen.

Stuck: Wenn man irgendwo stecken geblieben ist, kommt man nicht dadurch weiter, dass man nach Antworten sucht, sondern indem man eine neue Frage findet, auf die das Leben die Antwort sein kann.

Aristoteles und Freundschaft: Freundschaft ist die reinste, der erotischen weit überlegenen Form der Liebe. Der aktive Wunsch, einem anderen Gutes zu tun, ausschließlich diesem zuliebe und ihn wie ein zweites Ich behandeln – „Philia“ nannte er dies.

Trennungskinder: Ihren Kummer müssen sie für sich behalten, denn auf gar keinen Fall darf das Kind auf irgendeine Weise in die Elternrolle gedrängt werden. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich Menschen und Orte suchen, die Ihnen emotionale Unterstützung geben, die sie brauchen, um für ihr Kind präsent und zugänglich sein zu können.

Resümee

„Aha“, denkt der geneigte Leser, „und nun“? Das „wie“ ist das Problem. Im Buch werden – jeweils zu den fünf Prozessschritten – Übungen und Reflexionsaufgaben angeboten, die – ehrlich gesagt – ohne Anleitung und Führung, nicht selbstverständlich funktionieren. Und da haben wir schon die Schwachstelle des Ansatzes. Jeder Betroffene muss erst einmal zu dieser konstruktiven Einstellung kommen, denn das Naheliegende ist der Kampf und die Vergeltung, bzw. die Verortung der Schuld auf der anderen Seite. Dort muss er/sie sich hinarbeiten.

Die Einsicht, „ressourcevoller“ damit umzugehen und die eigene Ratlosigkeit trotz dieser Erkenntnis, sollte einen reflektierten Menschen zu einem Fachmann und Vertrauten führen. Auch das ganze Buch zu lesen, ist für einen motivierten Kandidaten nicht der Schlüssel. Allein das Wissen und das kognitive Begreifen macht keine Denk- und Verhaltensänderungen in stressbesetzten Kontexten, außer Gedanken wie: „Ich müsste eigentlich mal…!“

Die Methode: Einzel- oder Gruppenworkshops unter kompetenter Führung. Nennen Sie es Therapie, Coaching, Beratung, wie auch immer.

Foto: Dave Meier

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